Zitat

 

In neun völlig unterschiedlichen Bildern setzt sich Regisseur und Autor Hans Melzer mit den verschiedenen Schattierungen von Missbrauch auseinander. Hinter assoziativen Szenenüberschriften wie „Kaltwerk“, „Bodenrose“, „Wallachen“ oder „Verlügnung“ verbergen sich fünf ariose Gesangs-stücke und vier melodramatische Sprachkompositionen, in denen von Inzest, Narzißmus, Gier, Einsamkeit, Krieg und Sehnsucht die Rede ist. Die Kammeroper "Anfassen" bezeichnet Melzer als zweiten Teil einer geplanten Trilogie. "Mir ist wichtig, Themen wie Folter, Mißbrauch und Ausgrenzung künstlerisch zu bearbeiten. Das darf man nicht allein der Politik oder der Psychologie überlassen." Auch wenn sich die Figuren und ihre Geschichten in "Anfassen" niemals direkt berühren, so stellen Melzer und der Komponist Michael Armann ans Ende die berückend schöne Vision einer angekündigten erfüllten Liebe. "Nichts ist so unvergeßlich / Wie die wunderbar leichten Versprechen / Am Anfang einer Liebe.                                     

Süddeutsche Zeitung

Der Krieg ist verloren, der erste. Das Königreich ist zerbrochen. Gefrorenes Pferdefleisch und Irrenhaus. Räterepublik. Hurenwäsche und Schieberberichte. Die alte Zeit ist wohl für immer kaputt - und die neue kündigt sich grad mit viel Dampf und Blut an. Radikal ist man! Adolf Hitler wird Reichskanzler. Die ersten KZs gehen in Betrieb... Eine Momentaufnahme aus Hans Melzers Oskar-Maria-Graf-Präsentation "Ausg'schaamdt", eine vielversprechende Collage mit Texten des baye-rischen Dichter-Revoluzzers vom Starnberger See. Und ausg'schaamdt darf sich auch die Tex-tauswahl bezeichnen, denn da kommt reichlich Aufsässiges und Erotisches zur Sprache. Die Rede ist von dummrohen Muttertieren, von Waffenhändlern, von braven Bürokraten, von eitel-zackigen Komiss-Schädeln und vom hingebungsvollen Dummerchen, das den bitteren Ernst des Lebens erst nach reichlich Amüsement erkennt. Hans Melzers Regie verblüfft und fasziniert, wenn nach dem Verhältnis von Miles Davis zum bösen Bayernbuben gefragt wird, inmitten von Leopardenfellbikinis und Toschlagegürteln.

 Abendzeitung München

"Lieben Sie Ausländer? Sicherlich, denn sonst wären Sie heut' ja nicht hier!" Eine Stunde Konzen-tration auf ein herausragendes Programm war gefordert. Gabi Heller und Hans Melzer provozieren mit ihrem Kabarett "Goethe war ein Türke", und verteilen mit pointenreicher Sicherheit Rund-umtreffer. Sie karikieren Wohlstandsbürger und Wasserhäuscheniveau und machen dabei verkrustete Strukturen sichtbar, versuchen immer wieder Verständnis füreinander zu wecken, votieren gegen jede Art von Ausländerfeindlichkeit. Rotzfrech, intelligent, sensibel und ohne falsche Scham werden Tabus gebrochen. Die beiden arbeiten nicht mit den üblichen "Betroffen-mach-Methoden". Sie haben subtilere Stilmittel gefunden, verwandeln sich immer wieder. Im Hintergrund "spricht" die Fahne "Deutsche Frauen / deutsches Bier / schwarz-rot-gold / wir stehn zu dir. Sie agiert zu in attraktiver Bunny-Korsage, die im Supermini endet, deklamiert ausdruckstark, cool und glasklar. Er kommt im Trainingsanzug, Trachtenoutfit oder Schuhputzerlook. Meist eigene Texte zwischen Literatur und Lyrik wollen Augen öffnen, zwischen Konsumsattheit, täglichem Hunger und zwischenmenschlichen Defiziten vermitteln. Und warum Goethe? Er hat schon früh die Schaffenskraft anderer Kulturen her-vorgehoben, Länder bereist, Menschen studiert. Deshalb auch die Frage: "Hinsehen und Augen öffnen. Das kann doch jeder. Oder?".

 IG-Metall Medien

Das eigentliche Drama findet vor der Vorstellung im Kopf des Zuschauers statt. Setzt man sich auf die Spielfläche in die Nähe der Schauspielerin, klassisch vor die Szene oder dieser ab- und den vielen Bildschirmen zugewandt, auf denen aktuelle Kriegsszenen, arabisches Fernsehen germischt mit Textauszügen aus Jean Genets umstrittenen Essay "4 Stunden in Chatila" zu sehen sind. Man wird nie "das ganze Bild" wie die Werbung für einen Fernsehkanal verspricht, vor sich haben. Der hier aufgerissene Raum ist eine griffige Metapher für die mit der quantitativen Zunahme von Information immer fragmentarischer werdende Wahrnehmung von Kriegen und Krisen. Schwarz, violett und malven-farben sind die Farben der Verwesung, die Genet in Hans Melzers Inszenierung der bunten Welt der Breaking News hinzufügt.

Abendzeitung München

Ernst Jüngers Bericht "In Stahlgewittern" ist eine authentische Quelle für die Realität des Ersten Weltkriegs. Textpassagen hieraus dienten dem Münchner Regisseur Hans Melzer für seine Inszenierung "Den Gefallenen/In Stahlgewittern" in der unbestuhlten Kranhalle. Melzer postiert vier Schauspielerinnen einzeln wie Ausstellungsgegenstände auf kleinen Podesten, frei im Raum verteilt. Mal im Wechsel, mal kanonartig versetzt wird gelesen, gesprochen, begleitet oder unterbrochen durch Kanonendonner und Gefechtslärm eines Schlagzeugs. Diese lebendige Klanginstallation fordert den Zuhörer auf, sich aktiv Ernst Jüngers "Textgewitter" zu nähern. Ein gelungener Abend.

Abendzeitung München

Poesie kann eine Kraft sein, die sich in das Bewußtsein derjenigen brennt, die entweder die Macht der Worte fürchten oder ihre Konsequenzen genießen. Das Castillo Theatre New York präsentiert nun vom 6. bis 15. Mai 2016 die kraftvolle Poesie des guatemaltekischen Dichters und Aktivisten Otto René Castillo (1936-1967), dessen Namen das Theater in Anerkennung seines legendären Kampfes für soziale Gerechtigkeit angenommen hat. Castillos Poesie besitzt die Qualität der direkten Rede eines Bertold Brecht, durchdrungen aber von einer bemerkenswerten lyrischen Schönheit. Der aus München stammende Regisseur und Produzent Hans Melzer präsentiert eine Auswahl von Castillos Gedichten in drei Sprachen. Die deutsche Schauspielerin Gabi Heller spricht Castillos Poesie in bewusst akzentuierten und emotional aufgeladenem Deutsch. Unerwarteter Kontrast, wenn dann Madelyn Chapman die gleichen Zeilen in fast zarter Weise in der englischen Übersetzung vorträgt und damit eine ganz andere Facette vermittelt. Olivia Luna füllt den Raum zwischen den beiden durch die spanischen Originalverse - mit wilder Wut, exotischer Spannung, mit Leidenschaft. Dazu feinfühlige Jazzelemente der Spitzenklasse von den New Yorker Musikern David Belmont und Sohrab Saadat Ladjevardi. Eine First-Class-Inszenierung von Hans Melzer, dazu ein klares, stimmiges Bühnenbild und eine inspierende Lichtgestaltung von Joseph Spirito. Durch die Unterstützung des Kulturreferates München, dem Bayerischen Kultusministerium und der erfolg-reichen Kooperation mit dem Castillo Theatre unter der künstlerischen Leitung von Dan Friedman, sollte diese feine deutsch-amerikanische Theaterproduktion eine wichtige Anregung für New York sein, eine Stadt, die so viel mehr tun könnte, um Künstler aus aller Welt zusammen zu bringen, nicht nur als rein kommerzielles Unterfangen, sondern zum Zweck echter kultureller Begegnung.

The New York Theatre Wire